Berlin, 18.11.2021: Anlässlich der Feierstunde wies Edzard Reuter in seiner Begrüßungsrede auf die Bedeutung der Integration von Zuwanderern und deren gesellschaftliche Leistungen hin.

Festrede von Stiftungsgründer Edzard Reuter:

Unsere Gesellschaft braucht mehr leuchtende Vorbilder

Unsere Gesellschaft braucht mehr leuchtende Vorbilder

Berlin, 18.11.2021: Die Helga und Edzard Reuter-Stiftung hat die ZDF-Journalistin Dunja Hayali, den Lehrer Dieter Bachmann und die Georg-Büchner Gesamtschule in Stadtallendorf in Person ihrer Leiterin, Amanda Chisnell, mit den Stiftungspreisen 2021 geehrt. Anlässlich der Feierstunde hat Stiftungsgründer Edzard Reuter in seiner Begrüßungsrede auf die Bedeutung des Engagements für eine Integration von Zuwanderern und auf deren Leistungen für die Gesellschaft hingewiesen.

Die Rede von Stiftungsgründer Edzard Reuter im Wortlaut:

Während der langen, der allzu langen Monate des erzwungenen Entzugs konnten wir alle es kaum erwarten, wieder hier bei Ihnen am Brandenburger Tor zu Gast sein zu dürfen, in den Räumen, die durch den Namen Max Liebermann geweiht sind und in denen Ihre Stiftung so erfolgreich das kulturelle Leben der deutschen Hauptstadt bereichert!

Im Namen des Kuratoriums unserer Stiftung heiße ich sodann Sie, meine Damen und Herren, nicht minder herzlich und dankbar willkommen.
Mit Ihrer Anwesenheit bekunden und belegen Sie Ihre Verbundenheit mit unserer Arbeit und unserem Bemühen. Ganz besonders gilt dieser Willkommensgruß Frau Dr. Susanne Eisenmann, die als neues Mitglied des Kuratoriums zum ersten Mal an dieser festlichen Veranstaltung teilnimmt und die ich Ihnen vorstellen darf.

Vor allem begrüßen wir aber natürlich unsere Preisträgerinnen und Preisträger.
Liebe Dunja Hayali, lieber Dieter Bachmann und liebe Amanda Chisnell als Leiterin der Georg-Büchner-Schule in Stadtallendorf: Wir sind stolz und glücklich, Sie für ihre Beiträge zur Förderung eines gedeihlichen und gleichgestellten Zusammenlebens von Menschen mit unterschiedlichem Herkommen ehren und auszeichnen zu dürfen. Sie sind leuchtende Vorbilder für das Anliegen der gesellschaftlichen Integration, deren Gelingen für die Zukunft unseres Landes so grundlegend wichtig ist.

Ganz besonders sind wir in diesem Zusammenhang Ihnen, lieber Herr Professor Aladin El-Mafaalani, dankbar, dass Sie sich bereit erklärt haben, uns an Ihren Gedanken teilhaben zu lassen. Mit Ihren Büchern und Ihrem Wirken rufen Sie immer wieder von Neuem so eindrucksvoll dazu auf, die Probleme, vor die unsere Gesellschaft gestellt ist, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern als dringende Aufgabe anzunehmen. Wir sind gespannt auf Ihre Worte.

Unser Land ist ein Einwanderungsland. Anlässlich der während der letzten Wochen in allen Medien so verbreitet in Erinnerung gerufenen sechzigsten Wiederkehr des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens ist diese nüchterne Feststellung allenthalben mehr oder minder als Selbstverständlichkeit angesprochen worden.

Dabei war sie noch vor wenigen Jahren heiß umstritten. Nicht zuletzt auf dem Hintergrund der Erfahrungen, die selbst ein so klassisches Einwanderungsland wie die USA in den zurückliegenden Jahren machen musste, sind wir dabei gut beraten, nicht zu vergessen, dass sich dahinter die Gefahr einer tiefgreifenden Spaltung auch unserer Gesellschaft verbergen kann. Und das gilt nicht nur für Deutschland; es gilt für ganz Europa.

Inzwischen klopfen wir uns nicht selten – und mit Recht! – selbst voller Stolz auf die Schulter, wenn wir die unzähligen Mitbürgerinnen und Mitbürger hervorheben, deren Namen ausweisen, dass sie zwar aus fremden Kulturkreisen stammen und doch täglich neu unser Land und unsere Gesellschaft voranbringen – ob sie an herausragender Stelle in der Wissenschaft, in der Politik, auf der Bühne, in der Literatur, in den Medien, in den Unternehmen, in den Kliniken oder allen anderen nur denkbaren Teilen unseres Gemeinwesens Verantwortung tragen. Nicht anders als diejenigen, die uns verlässlich bei der Pflege betreuend zur Seite stehen oder uns, wie mein Freund Remzi, täglich mit so köstlichem Obst und Gemüse beglücken.

Andere, und das sind leider nicht wenige, sind hingegen schnell zur Stelle, wenn es darum geht, über diejenigen die Nase zu rümpfen oder sie gar als unerwünscht abzutun, die sich hier nicht – oder noch nicht – zu Hause fühlen. Dabei brauchen diese in Wirklichkeit für sich und vor allem für ihre Kinder dringend Hilfe. Gründe für ihr Gefühl der Fremdheit, ja des Ausgestoßen-Seins, gibt es dabei zur Genüge. Sie reichen von mangelnden Sprachkenntnissen über eine nahezu zwanghafte Einbindung in überkommene familiäre Gewohnheiten bis hin zu einer unzureichenden Ausbildung – ganz zu schweigen von bösartigen Versuchungen von Seiten religiöser oder nationalistischer Verführer und deren Organisationen.

Umso beharrlicher bleibt unsere Stiftung davon überzeugt, wie wichtig es ist, immer wieder Mitbürgerinnen und Mitbürger herauszuheben und auszuzeichnen, die als weithin sichtbare Vorbilder ihre Hand zu solcher Hilfe bieten und sich entsprechend dafür einsetzen.

Wir freuen uns und sind dankbar, heute Abend mit ihnen allen zusammen hierzu erneut Gelegenheit zu haben!