Helga und Edzard-Reuter-Preis 2018 für Abdelkarim und Richard Arnold
Helga und Edzard Reuter-Preis 2018

Preisverleihung

November 2018, Berlin

Preisträger

Abdelkarim und Richard Arnold/Team PFIFF

Festredner

Annette Widmann-Mauz, Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, Susanne Stiefel, Edzard Reuter

Helga und Edzard Reuter-Preis 2018:

Abdelkarim und Richard Arnold/Team PFIFF

Die Preisverleihung des Helga und Edzard-Reuter-Preises 2018 stand im Zeichen des Einsatzes für gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Ausgrenzung und gegen Vorurteile. In Berlin ehrte die Stiftung den Kabarettisten Abdelkarim sowie den Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold, gemeinsam mit dem Team PFIFF. Der Stiftungspreis war mit insgesamt 30.000 Euro dotiert.

In ihrem Grußwort betonte Annette Widmann-Mauz, dass der „Einsatz für ein gutes Zusammenleben und gegen Ausgrenzung und Vorurteile unverzichtbar“ sei.

Auch Stiftungsgründer Edzard Reuter hob die besondere Aktualität des Themas hervor. In seiner Ansprache sagte er: „Plötzlich zielt das Leitwort ‚Integration‘ in eine doppelte Richtung: den Zusammenhalt unserer zivilen Gesellschaft auf der einen, unsere gemeinsame europäische Zukunft auf der anderen Seite.“

Reuter erinnerte zugleich daran, dass gelingende Integration eine wesentliche Voraussetzung für ein friedliches und demokratisches Zusammenleben sei. Mit dem Gelingen der Integration, so seine Überzeugung, stehe nicht nur der Zusammenhalt der Gesellschaft, sondern auch das friedliche Miteinander von Völkern und Nationen auf dem Spiel.

Abdelkarim

Der Kabarettist Abdelkarim erhielt den Stiftungspreis 2018 für sein Bemühen, die Herausforderungen und Spannungen des Zusammenlebens unterschiedlich geprägter Menschen sowohl komisch als auch ernsthaft sichtbar zu machen – als Künstler und Persönlichkeit, als Vorbild gelebter und gelungener Integration sowie als Mahner an die Politik, ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht zu werden.

In seiner Laudatio würdigte Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, Professor für moderne Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen, insbesondere die Fähigkeit Abdelkarims, mit Humor und Schärfe gesellschaftliche Ängste und Vorurteile offenzulegen. Uslucan sagte: „Angst macht uns Menschen klein und blockiert die Empathie mit Anderen“. Gerade deshalb wirke das humoristische Fokussieren auf Angst und auf politische Angstmacher, wie Abdelkarim es beherrsche, so pointiert, wenn er „kulturrassistische Deutungsmuster entzaubert“.

Humor bezeichnete Uslucan als eine der „zentralen Kategorien der interkulturellen Kompetenz“. Als besondere Stärke des Preisträgers hob er hervor, „dass er die Befunde der Integrationsforschung so pointiert, mit so viel Witz und Würze in den Alltag übersetzt, dass man versucht ist, Studierenden eher zu raten, zu ihm in die Show zu gehen als dicke Lehrbücher zu wälzen“.

Mit dieser Verbindung von Witz, gesellschaftlicher Beobachtung und politischer Haltung steht Abdelkarim in besonderer Weise für ein Engagement, das Verständigung ermöglicht und den Blick auf gesellschaftliche Wirklichkeiten schärft.

Preisträger 2018 Abdelkarim

Richard Arnold und das „Team PFIFF“

Richard Arnold und das Team PFIFF wurden für ihr Wirken als Kommunalpolitiker und Arbeitsteam ausgezeichnet. Mit ihrem Handeln und ihrer konsequenten Einbindung unterschiedlichster Akteure gaben sie eine praktische Antwort auf die Herausforderungen der Flüchtlingszuwanderung – bekannt geworden als der „Gmünder Weg“.

In ihrer Laudatio würdigte Susanne Stiefel, Chefredakteurin der Wochenzeitung „Kontext“, das vielfältige Engagement des Oberbürgermeisters von Schwäbisch Gmünd für die Integration von Geflüchteten. Besonders hob sie hervor, dass Arnold Zugewanderten nicht nur Unterstützung gewähre, sondern ihnen auch Verantwortung und gemeinnützige Aufgaben übertrage.

Sein Credo fasste sie so zusammen: „Wer etwas bekommt, soll auch etwas zurückgeben. Aber auch: Wer sich bemüht, in Deutschland anzukommen, wer die Sprache lernt, sich ehrenamtlich engagiert, eine Arbeit oder Ausbildung findet, der soll bleiben können.“

Stiefel bezeichnete Richard Arnold als einen Bauchmenschen. Das sei, „sicher richtig, wenn dort die Menschlichkeit sitzt. Das Gefühl dafür, dass es in der Politik nicht nur um Gesetze geht, sondern immer auch um Menschen.“

Mit dem „Gmünder Weg“ und dem Wirken des Teams PFIFF wurde ein Ansatz ausgezeichnet, der Integration konkret im kommunalen Alltag verankert und auf Teilhabe, Verantwortung und menschliche Nähe setzt.

Preisträger 2018 Richard Arnold und Team PFIFF

Preisverleihung 2018

Mit der Auszeichnung von Abdelkarim sowie Richard Arnold und dem Team PFIFF setzte die Stiftung 2018 ein Zeichen für ein Verständnis von Integration, das gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und Vorurteilen aktiv entgegentritt. Beide Preisträger stehen auf unterschiedliche Weise für ein Engagement, das Menschen zusammenführt, Verantwortung fördert und die offene Gesellschaft im Alltag verteidigt.