Helga und Edzard Reuter-Preis 2015 für Bilkay Öney und Ender Çetin
Helga und Edzard Reuter-Preis 2015

Preisverleihung

November 2015, Berlin

Preisträger

Bilkay Öney und Ender Çetin

Festredner

Iris Gleicke (vertretend für Sigmar Gabriel), Prof. Barbara John, Edzard Reuter

Helga und Edzard Reuter-Preis 2015:

Bilkay Öney und Ender Çetin

Die Preisverleihung 2014 stand im Zeichen der kulturellen Vielfalt als gesellschaftlicher Chance. Ausgezeichnet wurden der deutsch-türkische Schriftsteller Zafer Şenocak sowie das Projekt „Neuköllner Talente“ der Bürgerstiftung Neukölln, die beide in besonderer Weise Verständigung und Teilhabe fördern.

Im Mittelpunkt der Preisverleihung stand die Überzeugung, dass kulturelle Vielfalt eine gesellschaftliche Chance ist und das Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft bereichert. Die Stiftung würdigte dieses Engagement mit zwei Stiftungspreisen in Höhe von jeweils 15.000 Euro.

Bilkay Öney

Als Ministerin leitet Bilkay Öney das einzige eigenständige Integrationsministerium in Deutschland. Bilkay Öney erhielt den Stiftungspreis 2015 für ihren vorbildlichen Einsatz, die Voraussetzungen für eine gelingende Integration in unserer Gesellschaft weiter auszubauen und zu festigen.

In seiner Laudatio würdigte der Kuratoriumsvorsitzende Edzard Reuter die Preisträgerin für ihre „unbestechliche Sachkunde“, ihren „Mut zu klaren Entscheidungen“ und den „Verzicht auf billiges Streben nach öffentlichem Beifall“. In vorbildlicher Weise habe sie sich um ein „einander zugewandtes Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft verdient gemacht“.

In ihrer Dankesrede hob sie hervor, dass Baden-Württemberg das Flächenland mit dem höchsten Migrantenanteil sei, ihr Ministerium jedoch das kleinste der Bundesrepublik. Trotz begrenzter Ressourcen sei es gelungen, in kurzer Zeit mit zahlreichen Projekten Erfolge zu erzielen, darunter auch bei der Bekämpfung von Menschenfeindlichkeit jeder Art.

„Das friedliche Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ist kein Selbstläufer“, sagte Öney. Weiter betonte sie: „Wir müssen Flüchtlinge mit einer Bleibeperspektive möglichst schnell integrieren, um den Zusammenhalt der Gesellschaft zu sichern.“

Die Ministerin erklärte zudem, sie nehme den Stiftungspreis „stellvertretend für all diejenigen entgegen, die sich jeden Tag haupt- oder ehrenamtlich für Teilhabe und Chancengerechtigkeit einsetzen“. Daher reichte sie den Preis an drei Organisationen weiter: an Ärzte ohne Grenzen, an Bunt statt braun, Stuttgart, das sich mit einer Jugendkulturwoche für Vielfalt und Integration engagiert, sowie an die Jiyan Foundation, die im Irak traumatisierte Opfer von Folter und Gewalt sowie Flüchtlingskinder unterstützt.

Preisträgerin 2015 Bilkay Öney

Ender Çetin

Der Vorsitzender der Şehitlik Moschee in Berlin, Ender Çetin, wurde für sein Bemühen um ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft ausgezeichnet. Die Stiftung würdigte damit sein Engagement im Sinne der Überzeugung, dass weder unterschiedliche religiöse Überzeugungen noch die Verwurzelung in verschiedenen kulturellen Traditionen einem offenen und zugewandten Miteinander entgegenstehen müssen.

In ihrer Laudatio betonte Prof. Barbara John, ehemalige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats, die beispielhafte Integrationsarbeit des Preisträgers. Trotz hartnäckiger Widerstände setze sich Ender Çetin beharrlich für ein friedliches Zusammenleben und für die Integration seiner Landsleute in Deutschland und Europa ein.

In seinen Dankesworten hob Ender Çetin hervor, dass das Engagement in der Şehitlik Moschee auch den „innerislamischen Dialog“ befördert habe. „Wir haben es nie bereut, Tabus zu durchbrechen, da wir immer der Meinung waren und sind, dass es richtig ist, was wir tun. Dabei hatten wir immer ein reines Gewissen.“

Gerade weil Grenzen überwunden worden seien, habe man auch junge Menschen aus dem Umfeld des Moscheevereins erreicht, die sonst kaum Zugang gefunden hätten. Zugleich schilderte Çetin, wie selbstverständlich interreligiöse Begegnungen inzwischen geworden seien:

„Mittlerweile gehen selbst unsere älteren Gemeindemitglieder auch in die Nachbarschaftskirche zu Nikolaus oder anderen Veranstaltungen. Es gehört dazu, dass junge Juden ihr Fest auch bei uns im Kulturhaus feiern. Christen lesen aus der Bibel in unserem Gemeindehaus. Dies alles ist, so glauben wir, auch im Sinne des Islam, der da sagt: ‚Und redet mit den Leuten der Schrift auf die sanfteste Art …‘.“

Preisträger 2015 Ender Çetin

Preisverleihung 2015

Die Festrede hielt Iris Gleicke (Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie), die Bundesminister Sigmar Gabriel vertrat. Angesichts der damaligen Flüchtlingssituation verwies sie auf die besondere Aktualität des Stiftungsanliegens. Es sei, so Gleicke, beinahe paradox, dass der Minister gerade wegen der Dringlichkeit dieser Fragen zeitgleich im Kanzleramt über das weitere Vorgehen der Bundesregierung beraten müsse.

„Wohl nie zuvor hat das Ziel der Edzard-Reuter-Stiftung, nämlich das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher ethnischer, religiöser und kultureller Herkunft in der Bundesrepublik und die Integration unserer Gesellschaft zu fördern, eine so überwältigende Bedeutung gehabt wie in diesen Wochen und Monaten“, sagte die Staatssekretärin.

Mit der Auszeichnung von Bilkay Öney und Ender Çetin setzte die Stiftung 2015 ein Zeichen für verantwortliches Handeln, das gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt, Brücken zwischen Menschen baut und Integration als gemeinsame Aufgabe begreift.