
Preisverleihung
April 2014, Berlin
Preisträger
Zafer Şenocak und die „Neuköllner Talente“ (Bürgerstiftung Neukölln)
Festredner
Prof. Barbara John, Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, Bernd Ulrich
Helga und Edzard Reuter-Preis 2014:
Zafer Şenocak und „Neuköllner Talente“
Die Preisverleihung 2014 stand im Zeichen der kulturellen Vielfalt als gesellschaftlicher Chance. Ausgezeichnet wurden der deutsch-türkische Schriftsteller Zafer Şenocak sowie das Projekt „Neuköllner Talente“ der Bürgerstiftung Neukölln, die beide in besonderer Weise Verständigung und Teilhabe fördern.
Im Mittelpunkt der Preisverleihung stand die Überzeugung, dass kulturelle Vielfalt eine gesellschaftliche Chance ist und das Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft bereichert. Die Stiftung würdigte dieses Engagement mit zwei Stiftungspreisen in Höhe von jeweils 15.000 Euro.
Zafer Şenocak
Der deutsch-türkische Schriftsteller Zafer Şenocak erhielt den Stiftungspreis 2014 für seine literarischen Leistungen und sein Engagement als Mittler zwischen Menschen verschiedener Herkunft.
In seiner Laudatio hob Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan die besondere Bedeutung von Şenocaks Werk hervor. Seine Texte, so Uslucan, unterstützten Menschen bei der „Sinnsuche und individuellen Bewältigung von Lebenslagen“ und bei „der Suche nach Trost in einer trostlos gewordenen Welt“. Damit würdigte der Leiter der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung nicht nur das literarische Schaffen des Preisträgers, sondern auch dessen Beitrag zu Verständigung und gesellschaftlichem Dialog.
Zafer Şenocak selbst widmete die Auszeichnung allen Freunden und Kollegen, die ihm Anfang der achtziger Jahre in München den Beginn seiner dichterischen Laufbahn ermöglicht hatten — „ungeachtet meiner Herkunft“.
Die Festrede hielt Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur und Leiter der politischen Redaktion der Wochenzeitung „Die Zeit“. Er ging der Frage nach, warum die Akzeptanz von Menschen anderer Kulturen eng mit einem positiven Verhältnis zur eigenen nationalen Identität verbunden sein kann.
Als prägende Wegmarken nannte er unter anderem die Rede Richard von Weizsäckers im Jahr 1985 zur deutschen Vergangenheit, den Fall der Mauer 1989, die Fußballweltmeisterschaft 2006 sowie das engere Zusammenrücken Europas in der Finanzkrise. Wenn die Deutschen sich selbst wieder mögen, so seine Überlegung, entstehe Raum, Mut und Kraft, sich auch Menschen aus anderen Kulturkreisen zu öffnen und sie in die Gesellschaft einzubeziehen.

„Neuköllner Talente“
Das Projekt „Neuköllner Talente“ der Bürgerstiftung Neukölln wurde für das Engagement seiner mehr als 180 ehrenamtlichen Patinnen und Paten ausgezeichnet, die sich der Talentförderung von Grundschulkindern widmen.
In ihrer Laudatio würdigte Prof. Barbara John das Projekt als ein eindrucksvolles Beispiel gelebter Verantwortung und rief dazu auf, „Stellung zu beziehen und sich nicht wegzuducken, wenn Vielfältigkeit gefordert“ sei. Die ehemalige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats und heutige Vorsitzende des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin hob insbesondere das ehrenamtliche Engagement der vielen Patinnen und Paten hervor, die Kinder in ihrer Entwicklung begleiten, fördern und ihnen neue Perspektiven eröffnen.
Stellvertretend für viele der geförderten Kinder dankte der zwölfjährige Yazel seiner Patin Vera, die ihm Erlebnisräume außerhalb seines Kiezes in Neukölln erschließt und ihm damit neue Erfahrungen und Zugänge ermöglicht.
Friedemann Walther von der Bürgerstiftung Neukölln betonte, dass grundsätzlich jeder dem Beispiel der ehrenamtlichen Patinnen und Paten folgen könne. Entscheidend sei, Begegnungen mit Menschen anderer Nationalitäten oder aus anderen Kulturkreisen nicht zu scheuen, sondern bewusst Räume der Begegnung zu schaffen.

Preisverleihung 2014
Mit der Auszeichnung von Zafer Şenocak und dem Projekt „Neuköllner Talente“ setzte die Stiftung 2014 ein Zeichen für die gesellschaftliche Kraft kultureller Vielfalt. Beide Preisträger stehen in besonderer Weise für ein Engagement, das Begegnung ermöglicht, Talente stärkt und Verständigung über kulturelle und soziale Grenzen hinweg fördert.
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