
Preisverleihung
Januar 2012, Berlin
Preisträger
Michael Thumann und die „Stadtteilmütter“ (Berlin)
Festredner
Dilek Kolat, Dr. h.c. Wolfgang Thierse, Edzard Reuter
Helga und Edzard Reuter-Preis 2012:
Michael Thumann und „Stadtteilmütter“
Mit dem Helga und Edzard-Reuter-Preis 2012 ehrte die Stiftung in Berlin zwei Preisträger, die sich in besonderer Weise um Integration und Völkerverständigung verdient gemacht haben: den Journalisten Michael Thumann sowie die „Stadtteilmütter“ des Diakonischen Werkes in den Berliner Stadtteilen Mitte und Neukölln-Oberspree.
Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Stiftungspreis würdigte damit sowohl publizistisches Engagement für differenzierte Verständigung als auch praktische Integrationsarbeit im unmittelbaren Lebensumfeld von Familien.
Michael Thumann
Michael Thumann erhielt den Stiftungspreis 2012 für seine journalistischen Arbeiten über das Leben der Menschen im Mittleren Osten. Als Ressortleiter der Mittelost-Redaktion der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ arbeitet er in Istanbul und berichtet seit Jahren in Artikeln und Büchern über die unterschiedlichen Ethnien der Region sowie über deren politische, religiöse und kulturelle Lebenswelten.
In seiner Laudatio würdigte Stiftungsgründer Edzard Reuter Michael Thumann als einen Journalisten, der „seit Jahren sein ganzes Wissen, seine ganze Begabung, seine ganze Neugier und seinen ganzen Mut dafür einsetzt, selbst verstehen zu lernen und uns verstehen zu lehren, was die Menschen bewegt und prägt.“ Thumann sei, so Reuter, ein Vertreter eines „verantwortungsbewussten Journalismus’, … der Wahrheit verpflichtet, ohne seine eigene Meinung zu verstecken“. Zugleich verfüge er über die Fähigkeit, „in unbestechlicher Klarheit überzeugend zu berichten, wie ungeheuer komplex die Welt geworden ist“.
Mit seiner Arbeit trage Michael Thumann dazu bei, den Leserinnen und Lesern ein differenziertes Bild von den Menschen im Mittleren Osten sowie von deren politischen, religiösen und kulturellen Lebenswelten zu vermitteln. Er erinnerte in seiner Laudatio zudem daran, wie schwer es sei, „unter dem Druck eines verwirrend komplexen Geschehens nach der Wahrheit zu suchen, wo es kein Schwarz und kein Weiß als verlässliche Maßstäbe gibt“.
Gerade deshalb dürfe sich journalistisches Verantwortungsbewusstsein weniger denn je kommerziellen Vorgaben unterordnen oder den strategischen Interessen von Medienhäusern beugen.

„Stadtteilmütter“
Die „Stadtteilmütter“ mit den Zweigstellen des Diakonischen Werkes Berlin-Mitte und Neukölln-Oberspree wurden für ihre Nachbarschaftshilfe bei Fragen zur kindlichen Entwicklung und Erziehung mit dem Stiftungspreis 2012 ausgezeichnet. Das Projekt befähigt beruflich qualifizierte Mütter nichtdeutscher Herkunft dazu, als Multiplikatorinnen in ihren ethnischen Gemeinschaften zu wirken und Familien bei der Integration in die deutsche Gesellschaft zu unterstützen. Damit steht es in besonderer Weise für praktische, alltagsnahe Integrationsarbeit und für die Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe.
In ihrer Laudatio hob Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen beim Senat von Berlin, hervor, dass es sich um ein für Deutschland beispielhaftes Projekt handele. Die seit 2004 aktiven „Stadtteilmütter“ würden Familien erreichen, die sonst nur schwer anzusprechen seien.
„Mit den seit 2004 aktiven ‚Stadtteilmüttern‘ erreichen wir Familien, die wir sonst nur schwer erreichen“, sagte Dilek Kolat. Das Projekt sei damit „ein Beispiel für die Förderung von sozialer Verantwortung und Teilhabe“. Denn gerade sozial benachteiligte Zuwandererfamilien nähmen die Hausbesuche der „Stadtteilmütter“ gerne an, erläuterte die Senatorin. Ihr besonderer Zugang liege auch darin, dass sie den Familien in vielfacher Hinsicht nahe seien:
„Sie sprechen ihre Sprache“ – auch im übertragenen Sinne. Zudem würden sie „in vielen sensiblen Bereichen helfen, die Zielgruppe der schwer erreichbaren Familien anzusprechen.“
Dilek Kolat würdigte das Projekt als ein Vorhaben, das „in hohem Maße und auf ganz praktische Weise den Gründungsgedanken der Helga und Edzard Reuter-Stiftung [erfüllt], denn es befördert mit seiner Arbeit das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft in Deutschland und bringt die Integration in unserer Stadt voran“.

Preisverleihung 2012
Als Festredner würdigte Bundestagsvizepräsident Dr. h.c. Wolfgang Thierse das Engagement der Stiftung, die sich seit 1995 für Völkerverständigung und Integration einsetzt.
Mit der Auszeichnung von Michael Thumann und den „Stadtteilmüttern“ setzte die Stiftung 2012 ein Zeichen für zwei unterschiedliche, sich ergänzende Formen gesellschaftlichen Engagements: für die differenzierte journalistische Vermittlung komplexer internationaler Zusammenhänge und für konkrete Integrationsarbeit im Alltag von Familien und Nachbarschaften. Beide Preisträger stehen auf ihre Weise für Verständigung, Teilhabe und ein respektvolles Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft.
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