
Preisverleihung
März 2011, Berlin
Preisträger
Prof. Dr. Werner Schiffauer und Shermin Langhoff
Festredner
Prof. Dr. Dr. h.c. Gesine Schwan, André Schmitz, Edzard Reuter
Helga und Edzard Reuter-Preis 2011:
Prof. Dr. Werner Schiffauer und Shermin Langhoff
Mit dem Helga und Edzard-Reuter-Preis 2011 würdigte die Stiftung zwei Persönlichkeiten, die sich auf unterschiedliche Weise um Integration, gesellschaftliche Teilhabe und Völkerverständigung verdient gemacht haben: Prof. Dr. Werner Schiffauer und Shermin Langhoff.
Edzard Reuter, Stifter und Kuratoriumsvorsitzender, hob anlässlich der Überreichung von Urkunden und Preisgeldern hervor, dass mit den Preisträgern erneut zwei engagierte Menschen aus der Mitte der Gesellschaft geehrt würden, die sich in ihrem unmittelbaren Arbeits- und Lebensumfeld unprätentiös für die Völkerverständigung einsetzen. Ihr Wirken könne, so Reuter, Vorbild für junge Menschen aus allen Gesellschaftsschichten sein.
Prof. Dr. Werner Schiffauer
Prof. Dr. Werner Schiffauer erhielt den Stiftungspreis für seine Untersuchungen zu den gesellschaftlichen Auswirkungen neuerer Entwicklungstendenzen der islamischen Religion. Der gebürtige Oberfranke lehrt seit 1995 an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie. Zudem gehört er dem Rat für Migration an, einem Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, dessen alle zwei Jahre erscheinender „Migrationsreport“ regelmäßig große Beachtung findet.
Die Festrede zur Preisverleihung hielt Prof. Dr. Dr. h.c. Gesine Schwan, Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance. Sie stellte heraus, dass Integration nicht als Anpassung einer Minderheit an eine Mehrheitsgesellschaft zu verstehen sei, sondern als Teilhabe aller Menschen im Sinne des Gemeinwohls. Mit Nachdruck wandte sie sich gegen populistische Fremdenfeindlichkeit und plädierte für einen respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Traditionen: „Nationale Zusammengehörigkeit wird nicht desto stärker, je enger oder abgeschotteter, sondern je eigenständiger und freiwilliger sie praktiziert wird.“
Schwan betonte die Unverzichtbarkeit einer aktiven gesellschaftspolitischen Integrationspolitik für die Zukunft der Bundesrepublik. Im Max-Liebermann-Haus der Stiftung „Brandenburger Tor“ (Landesbank Berlin Holding AG) sagte sie: „Das Glück reicher und vielfältiger Identitäten, das uns selbst und den anderen nützt, macht das Fenster weit auf für ein helles weltoffenes Deutschland in einem hellen weltoffenen Europa.“
In ihrer Laudatio auf Werner Schiffauer würdigte sie insbesondere dessen Haltung gegenüber gesellschaftlicher Vielfalt. Er befürworte, so Schwan, „eine Kultur der Differenz“, die sie „ganz allgemein für pluralistische Demokratien für angemessen“ halte. Weiter sagte sie über ihn:
„Die auf Respekt vor den Mitmenschen baut, nicht nur auf Duldung, halte ich für unser demokratisches Zusammenleben ganz allgemein, aber unter der Bedingung von Globalisierung noch einmal mehr für überaus wertvoll. Wenn sie dann auch noch wie bei ihm mit einem feinen Sinn für Humor, Selbstironie und Wohlwollen gegenüber den Mitmenschen daherkommt, ist sie köstlich.“

Shermin Langhoff
Shermin Langhoff wurde für ihre vielfältigen Anregungen zu einer respektvollen gesellschaftlichen Integration ausgezeichnet, insbesondere in ihrer Funktion als künstlerische Leiterin des Ballhauses Naunynstraße „postmigrantisches Theater“ in Berlin-Kreuzberg.
Seit 2008 prägte sie dort ein Theater, dessen Inszenierungen in besonderer Weise zum interkulturellen Dialog beitragen. Zuvor war Langhoff als Kuratorin am Hebbel Theater in Berlin tätig und arbeitete unter anderem als Produzentin und Regieassistentin im Film. Die in Bursa (Türkei) geborene Langhoff kam im Alter von neun Jahren nach Deutschland.
In seiner Laudatio würdigte Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz Shermin Langhoff als eine Persönlichkeit, die „ihr ganzes künstlerisches Leben an den Schnittstellen zwischen Hoch- und Subkultur, zwischen alt- und neu-deutscher Künstlerszene“ aktiv gewesen sei.
Im Ballhaus Naunynstraße habe sie Themen und Probleme von Migrantinnen und Migranten auf die Bühne gebracht, ohne dabei „Ghetto-Theater“ zu machen. Vielmehr habe sie ein „politisch waches Theater“ entwickelt, das weit über die Grenzen Berlins hinaus wahrgenommen werde. Besonders hob Schmitz hervor, dass es ihr gelinge, „eine Kultur der Anschluss- und Übergangsfähigkeit zwischen dem Eigenen und dem Fremden herzustellen“.

Preisverleihung 2011
Mit der Auszeichnung von Prof. Dr. Werner Schiffauer und Shermin Langhoff setzte die Stiftung im Jahr 2011 ein Zeichen für eine offene, pluralistische und respektvolle Gesellschaft. Beide Preisträger stehen in besonderer Weise für ein Engagement, das Verständigung ermöglicht, Unterschiede produktiv macht und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.
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