Berlin, 05.11.2015: Stiftungspreise an die Ministerin für Integration in Baden-Württemberg und den Vorsitzenden der Şehitlik Moschee in Berlin.
Preisverleihung Helga und Edzard Reuter-Preis:
Ehrung an Bilkay Öney und Ender Çetin für Integrationsleistungen

Berlin, 05.11.2015: Mit dem Stiftungspreis der Helga und Edzard Reuter-Stiftung wurden heute in Berlin die Ministerin für Integration in Baden-Württemberg, Bilkay Öney, und der Vorsitzende der Şehitlik Moschee in Berlin, Ender Çetin, geehrt.
Damit würdigt die Stiftung das herausragende Bemühen um ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen und das Engagement für die Integration von Zuwanderern in der deutschen Gesellschaft. Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert.
Festrede zur Preisverleihung
Iris Gleicke, die parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, vertrat Bundesminister Sigmar Gabriel als Festrednerin.
Es sei „fast „paradox“, so Gleicke, dass der Minister gerade wegen der Relevanz der Themen, für die sich die Helga und Edzard Reuter-Stiftung einsetze, zur Stunde im Kanzleramt über das weitere Vorgehen der Bundesregierung in der aktuellen Flüchtlingssituation beraten müsse. „Wohl nie zuvor hat das Ziel der Edzard-Reuter-Stiftung, nämlich das „friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher ethnischer, religiöser und kultureller Herkunft in der Bundesrepublik und die Integration unserer Gesellschaft“ zu fördern, eine so überwältigende Bedeutung gehabt wie in diesen Wochen und Monaten“, sagte die Staatssekretärin, die sodann die Gabriel-Rede vortrug.
Das Ziel der Stiftung werde an Bedeutung zunehmen, denn Europa stehe „vor einer historischen Aufgabe“. Man werde künftig die Geschichte Europas in eine Zeit vor 2015 und in eine Zeit danach unterscheiden. Der Staat stehe vor einer „Generationenaufgabe – organisatorisch, finanziell, sozial. Als Staat und als Gesellschaft“. Viele Menschen würden mit ihrer „bewundernswerten Hilfsbereitschaft“ beruflich und ehrenamtlich über sich hinauswachsen. „Sie überstrahlt den Hass und die Kriminalität, die auch Teil der Realität bei uns ist“, führte Gleicke aus.
Und weiter: „Ja, das ist unser Land. Und wir werden dieses Land, seine Werte und seine Zivilisation nie wieder preisgeben. Wir werden es nicht preisgeben an den Ungeist, der vor 80 Jahren auch Sie, lieber Herr Reuter, und ihre Familie als Sozialdemokraten zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen hat! Nie wieder wird dieser Ungeist Deutschland beherrschen!“
In der Festrede wurde auch das Engagement der Stiftung gewürdigt. Helga und Edzard Reuter hätten „erkannt, dass Integration nicht zu verordnen ist, sondern dass sie in der Mitte der Gesellschaft stattfinden und gelebt werden muss“. Man müsse die nach Deutschland kommenden Menschen so integrieren, dass sie nicht in einer sozial benachteiligten Parallelgesellschaft leben. Darum brauche man eine „Willkommenskultur“, die humanitäre Hilfe und Unterstützung im Alltag biete, eine „Willkommenskultur, die Flüchtlinge nicht als logistisches oder administratives Problem betrachtet, sondern als Mitmenschen.
Das heißt: Eine Willkommenskultur, die Menschenwürde, Respekt und Solidarität in den Mittelpunkt stellt“. Das bedeute aber auch, dass „die Menschen, die hierhin kommen, nicht nur die deutsche Sprache erlernen, sondern auch die Spielregeln unseres Zusammenlebens kennen müssen“.
Dabei müsse man aufpassen, dass „unser Land nicht auseinanderdriftet. Es darf sich nirgendwo der Gedanke einnisten, dass bestehende, gravierende Probleme in Deutschland nicht mehr angegangen werden, weil sich vermeintlich alles nur noch um die Flüchtlinge dreht.“ Man müsse auch „nach innen integrieren“. Das bedeute, „dass die Investitionen in Bildung, Wohnungsbau und Arbeitsmarkt allen Menschen in Deutschland zugutekommen müssen“.
Iris Gleicke führte weiter aus: „Wenn wir mehr bieten wollen als eine Politik „auf Sicht“ oder gar reine Symbolpolitik, schaffen wir das nur mit europäischer und internationaler Zusammenarbeit. Nicht Zäune und Soldaten werden die Menschen vom Versuch abhalten, nach Europa zu kommen. Sondern Hoffnung und Perspektive, Freiheit und ein Ende von Not, Krieg und Armut in der eigenen Heimat.“
Darum müssten die Fluchtursachen bekämpft werden. Europa stehe dabei am Scheideweg. Doch Europa habe in der Vergangenheit auch gezeigt, dass man aus Fehlern lerne könne. Die Integration der Menschen, die nach Europa kommen, sei darum auch eine Chance für die weitere Integration Europas.

