Berlin, 25.06.2020: Die Dankesrede des Bundespräsident a.D. Christian Wulff zur Ehrung im Wortlaut.

Stiftungspreise 2020 – „Deutschland muss sich ehrlich machen”:

Bundespräsident a.D. Christian Wulff zur Ehrung durch die Helga und Edzard Reuter-Stiftung – vollständiger Text

Bundespräsident a.D. Christian Wulff zur Ehrung durch die Helga und Edzard Reuter-Stiftung – vollständiger Text

Berlin, 25.06.2020: Bundespräsident a.D. Christian Wulff und der Schauspieler Adnan Maral wurden 2020 mit den Stiftungspreisen der Helga und Edzard Reuter-Stiftung geehrt. Die Stiftung zeichnet mit der Vergabe der Preise immer wieder Leistungen von Menschen aus, die sich in besonderer Weise für die Völkerverständigung und das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft eingesetzt haben.

Die Verleihung der Stiftungspreise findet üblicherweise im Rahmen einer Festveranstaltung statt. Wegen der Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie musste die Veranstaltung ausfallen. Die Ehrungen wurden daher telefonisch ausgesprochen und die Urkunden schriftlich übermittelt. Auch die Laudationes und Dankesworte der Geehrten wurden auf diesen Wegen ausgetauscht.

Die im Rahmen der Festveranstaltung übliche Festrede sollte in diesem Jahr mit Bundespräsident a.D. Christian Wulff einer der beiden Preisträger halten.

Der Wortlaut dieser Rede wird nachfolgend wiedergegeben:

Über die Entscheidung des hochkarätigen Kuratoriums der Helga und Edzard Reuter-Stiftung, mir den Stiftungspreis 2020 zu verleihen, freue ich mich sehr und bin dafür dankbar. Denn die Stiftung unterstützt das Zusammenleben von Menschen mit Unterschieden. Und das liegt auch mir besonders am Herzen.

Ich gehe davon aus, dass vermutlich jede Generation eine besonders große Aufgabe hat. Meine Eltern und Großeltern diejenige, den WIEDERAUFBAU unseres Landes erfolgreich zu gestalten, meine Generation diejenige, die WIEDERVEREINIGUNG erfolgreich zu bewerkstelligen, und die jetzige und kommende Verantwortungsgeneration die Aufgabe, den ZUSAMMENHALT unserer Gesellschaften im Inneren und international zu sichern.

Deutschland hat so vieles geschafft: Die Integration Millionen Vertriebener, mit ihnen den Wiederaufbau, die Integration von West und Ost, die Wiedervereinigung.

Was trauen, was muten wir uns heute zu? Diese Frage treibt mich um.

Dabei ist Deutschland längst ein Land mit einer multiethnischen, multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft. Mit gemeinsamer Geschichte, Sprache und vor allem auch gemeinsamen Werten. Mit unserer Verfassung, dem Grundgesetz als dem zusammenführenden Element. Aber es scheint uns bis zum heutigen Tag schwer zu fallen, uns diesbezüglich ehrlich zu machen, und diese „Bunte Republik Deutschland“ aus großer Überzeugung bewusst zu leben. Sie ist aber großartig durch Artikel 1 und die Grundrechte unseres Grundgesetzes seit dem 23. Mai 1949 vorgezeichnet.

In dieser unwirklich erscheinenden Corona-Zeit stellen wir fest, dass nahezu alle Menschen zu einem Maß an Solidarität und Kreativität fähig sind, das viele nicht erwartet und manche sogar für unmöglich gehalten haben. Jung und Alt stehen füreinander ein. Digitale Möglichkeiten werden entwickelt und genutzt, um die so notwendigen zwischenmenschlichen Kontakte unter diesen erschwerten Bedingungen dennoch zu gewährleisten. Respekt und Wertschätzung werden spür- und sichtbar vorbildlich gegenüber den Pflegerinnen und Pflegern in Altenheimen, all den Gesundheitsberufen von der Hausarztpraxis bis in die Intensivstationen in den Krankenhäusern, den Kassiererinnen und Kassierern im Supermarkt und den Paketauslieferungsfahrern und Mitarbeitern in Logistikzentren.

Wir merken: Als Menschen sind wir nicht nur zu Empathie fähig, wir bedürfen ihrer auch. Gerade in komplexen Gesellschaften, in denen sich Teile voneinander zu entfernen scheinen, sind es Solidarität und Empathie, die uns zusammenhalten. Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen den Kontakt zu anderen Menschen, damit wir glücklich und in Würde leben können.

In der derzeitigen Lage müssten wir eigentlich alle sofort erkennen, dass sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Aussehens, verschiedenen Glaubens voll einbringen und die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur gemeinsam eindrucksvoll aufrechterhalten – und froh darüber sein, dass wir ein so vielfältiges Land sind, nämlich die „Bunte Republik Deutschland“.

Wir sehen hier ein hohes Maß an Rücksichtnahme und Verantwortung: Die meisten Menschen befolgen die staatlichen Vorgaben und tragen sie mit.

Mich hat ein Beispiel aus meiner Heimatstadt Osnabrück bewegt, der Friedensstadt, die mich maßgeblich geprägt hat als Stadt des Westfälischen Friedens, Erich Maria Remarques, Felix Nußbaums und Justus Mösers. Dort wurde den muslimischen Gemeinden während des Ramadan sogar erlaubt, den Ruf des Muezzins außerhalb der Moscheen ertönen zu lassen, weil die Gläubigen nicht in den Moscheen zusammenkommen konnten. Und die Bevölkerung hat es mitgetragen. Ein bemerkenswertes Symbol gegenseitigen Respekts, das zeigt, dass die Menschen sich in die Nöte anderer hineinversetzen können und diese zu lindern vermögen.

Gleichzeitig sehen wir, dass Populisten auch aus dieser Krise Honig zu saugen versuchen. Eigentlich demaskiert die Krise Populisten und Nationalisten: Ohne Vielfalt nach innen, ohne internationale Zusammenarbeit nach außen sind tragfähige Lösungen nicht zu erreichen. Trotzdem suchen Populisten Aufwind.

Die Krise wird von Politikern wie Trump und Bolsonaro bewusst verschärft, um die Spaltung der Gesellschaften voranzutreiben. Der Geist des „Wir gegen die“, der Ausgrenzung und Abschottung von Minderheiten ist wieder erwacht. Verschwörungstheoretiker und Extremisten reichen einander die Hand. Das einende Band ist dabei der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit, die feste Überzeugung, nur man selbst sehe das Licht der Wahrheit, während alle anderen im Dunkeln lebten.

Wir werden diesem Trend entgegenwirken müssen, auf allen Ebenen.

Ich erinnerte mich bei dieser Erfahrung in den letzten Wochen an die klugen Worte des amerikanischen Rechtsgelehrten Learned Hand, der 1944 vor Einwanderern und Neubürgern Amerikas sagte: „Der Geist der Freiheit ist der Geist, der sich nicht zu sicher ist, Recht zu haben. Der Geist der Freiheit ist der Geist, der die Seelen anderer Menschen zu verstehen versucht. Der Geist der Freiheit ist der Geist, der ihre Interessen unvoreingenommen gegen die eigenen abwägt.“

2006 während des „Sommermärchens“ der Fußballweltmeisterschaft in unserem Land war ganz Deutschland schwarz-rot-gold. Für viele Deutsche, - Alteingesessene wie Neubürger gleichermaßen - war es ein neues Erlebnis. Es war ein wunderbarer Moment der offenen und vielfältigen Nation. Und die Welt nahm es auf, wie wir es uns nur wünschen konnten, nicht als überheblich, nationalistisch oder ausgrenzend, sondern als weltoffen, patriotisch und gastfreundlich: „Die Welt zu Gast bei Freunden“.

2010 dann in Südafrika machten wir Furore mit einer Leichtigkeit und einer Mischung verschiedener Stile und Prägungen, die uns viele nicht zugetraut hatten.

2014 in Brasilien gewann die deutsche Mannschaft mit dieser Vielfalt dann die Weltmeisterschaft für das veränderte Deutschland - mit Jerome, Mesut, Miroslav und Sami - und nicht mehr nur mit Gerd, Helmut, Rudi und Uwe.

Und doch wurden alle enttäuscht, die glaubten und hofften, dass diese positiven Erfahrungen der Vielfalt dem Narrativ einer bunten Gesellschaft und einer vielfältigen Nation, endgültig zum Durchbruch verholfen hätten.

Auf 2006 folgte der NSU mit seinen furchtbaren Mordtaten, verfolgt von Behörden, die bis zuletzt teilweise unfähig und unwillig waren, Rassismus als Rassismus zu bezeichnen und dessen menschenvernichtende Dimension zu begreifen.

Es folgte Sarrazin mit seinem alltagstauglichen „man wird ja wohl noch was sagen dürfen“-Rassismus.

Und nach 2014 erlebten wir nicht nur das Erstarken der AFD mit ihrem Einzug in alle Landtagsparlamente und in den Deutschen Bundestag sogar als größte Oppositionspartei.

Wir erlebten und erleben danach und darauf aufbauend eine Verrohung des privaten und des öffentlichen Diskurses, das Entstehen und Erstarken rechtsterroristischer Netzwerke und rassistisch motivierter Mordtaten bis in die Gegenwart von Kassel über Halle bis Hanau. Wir erleben, dass dieser Rassismus häufig aus Unüberlegtheit immer noch mit „Fremdenfeindlichkeit“ verharmlost wird. Dass durch diesen Begriff diejenigen zu Fremden gemacht werden, die aus unserer Mitte als unsere deutschen Mitmenschen gerissen werden, die als Teil unseres Landes und unserer Gesellschaft häufig besser integriert sind als viele andere.

Wir erleben darüber hinaus auch, dass Menschen, die auf allen Ebenen Verantwortung für dieses Land übernehmen, für dieses Engagement verunglimpft, bedroht und angegriffen werden. Daran hat uns zuletzt der Jahrestag der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erinnert.

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen: Auch nach der derzeit großen gemeinsamen Anstrengung unserer gesamten Gesellschaft, auch nach diesem erneuten Wir-Gefühl einer Nation im Krisenmodus dürfte der öffentliche Diskurs wieder aufbrechen, werden Rassismus und rechte Gewalt wieder erkennbar. Und wir erleben bei einigen sogenannten Hygiene-Demonstrationen ja bereits Anzeichen.

Kriminalstatistik und die Verfassungsschutzberichte sind eindeutig: Extremisten sind derzeit nur in Quarantäne. Sie sind nicht verschwunden. Im Gegenteil: Wir müssen uns wohl darauf einstellen, dass Diskussionen noch aggressiver werden, und der Rassismus noch dreister wird, wenn die Arbeitslosenzahlen einer Wirtschaft im Abschwung steigen. Denn all das, was vorher geschah, passierte in einer Gesellschaft, der es niemals zuvor so gut ging, wie in den Zehnerjahren des 21. Jahrhunderts.

Vor bald genau zehn Jahren, auf dem Höhepunkt der damaligen Sarrazin-Debatte, habe ich am 20. Jahrestag der Deutschen Einheit meine Rede gehalten. Sie knüpfte an meine Arbeit als Kommunalpolitiker für ein gutes Zusammenleben verschiedener Menschen mit gleichen Rechten. An meine Arbeit als Ministerpräsident mit der Förderung islamischen Religionsunterrichts, islamischer Theologie und der Berufung einer muslimischen Landesministerin in mein Kabinett. Und sie knüpfte an meine Antrittsrede als Bundespräsident, in der ich gefordert hatte, dass es bei Bewerbungen keinen Unterschied machen dürfe, ob der Bewerber Özcan oder Schulze heißt. Und in der ich geendet hatte mit der Metapher von der „Bunten Republik Deutschland“.

Ich hatte vor diesem 3. Oktober 2010 eine Vielzahl von Schreiben von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, die sich durch die geführte rassistische Diskussion zu Recht ausgegrenzt fühlten – Menschen, die mir sagten und schrieben: „Dies ist aber doch auch unser Land, Sie sind doch auch unser Präsident. Wir investieren in unsere Kinder, damit diese ihrem Land etwas zurückgeben. Unsere Kinder gehen zur Polizei und zur Bundeswehr und verteidigen unser aller Freiheit.“

Mit meiner Rede habe ich damals die Hoffnung verbunden, dass wir zusammen wachsen und zusammenwachsen könnten. Dass sich die Mehrheit für den Schutz der Minderheiten einsetzt. Meine Rede sollte ein Kompass sein in Sachen Vielfalt und Einheit. Ein Kompass, der der Idee folgte, dass man von Menschen, denen man auf Augenhöhe und mit voller Wertschätzung entgegentritt, auch mehr verlangen könne: Wer teilhaben kann, von dem kann auch Teilnahme eingefordert werden. Wer Würde und Freiheiten für sich in Anspruch nehmen kann, von dem kann man auch verlangen, dass er Würde und Freiheiten anderer respektiert. Offenheit und Haltung gehören zusammen.

Meine Rede war gedacht als Signal an alle, die sich oft ausgegrenzt und ausgeschlossen fühlten, obwohl sie selbstverständlich dazugehören. Ja, dies ist auch Euer Land und ich bin auch Euer Präsident.

Wer jemals an der Macht von Signalen und Symbolen zweifeln sollte, dem können meine Erfahrungen aus dem letzten Jahrzehnt als eindrücklicher Beweis dienen: Bis zum heutigen Tage habe ich von Menschen, deren Wurzeln nicht nur in Deutschland liegen, berührende Unterstützung erfahren. Und immer wieder Worte des Dankes bekommen, weil sie sich offenbar das erste Mal wirklich als gleichberechtigter Teil dieses Landes gefühlt haben, obwohl sie seit langem oder schon immer in Deutschland leben. Signale und Symbole können so viel bewirken.

Wörtlich habe ich am 3. Oktober 2010 gesagt: „Zu allererst brauchen wir aber eine klare Haltung. Ein Verständnis von Deutschland, das Zugehörigkeit nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt, sondern breiter angelegt ist. Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“

Aus heutiger Sicht hätte ich mir rückblickend gewünscht, wenn die nachfolgende Passage mitzitiert worden wäre oder sogar noch häufiger zitiert würde als der immer wieder verkürzte Satz „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Ich habe nämlich deutlich betont: „‘Wir sind ein Volk!‘ Dieser Ruf der Einheit muss heute eine Einladung sein an alle, die hier leben. Eine Einladung, die nicht gegründet ist auf Beliebigkeit, sondern auf Werten.

Es ist längst Konsens, dass man Deutsch lernen muss, wenn man hier lebt. Es ist Konsens, dass in Deutschland deutsches Recht und Gesetz zu gelten hat.“ „Deutschland, einig Vaterland“, das heißt unsere Verfassung, die in ihr festgeschriebenen Werte zu achten und zu schützen. Zu allererst die Würde eines jeden Menschen, aber auch die Meinungsfreiheit, die Glaubens- und Gewissensfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Sich an unsere gemeinsamen Regeln zu halten und unsere Art zu leben, zu akzeptieren. Wer das nicht tut und unser Land und unsere Werte verachtet, muss mit entschlossener Gegenwehr aller rechnen – das gilt für fundamentalistische, ebenso für rechte oder linke Extremisten.“ Damit ist doch der Raum eröffnet für friedliches und erfolgreiches Zusammenleben!

Ja, Deutschland muss sich nach meiner festen Überzeugung endlich „ehrlich machen“. Das sage ich auch zehn Jahre später. Unsere Verfassung begründete die stabilste und glücklichste Phase in der Geschichte unseres Landes. Weil sie die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Der wunderschöne Text des Grundgesetzes sollte viel stärker verbreitet und häufiger gelesen werden: Das deutsche Volk bekennt sich zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten. Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. So lauten die Formulierungen unserer Verfassung - unmittelbar nach der Erfahrung mit einer totalitären rassistischen menschenverachtenden Diktatur.

Für mich ist es keine Frage, dass Millionen Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland mit ihrer Religion Teil Deutschlands geworden sind.

Daraus folgt auch, dass wir uns darum kümmern müssen, die damit einhergehenden Fragen angemessen zu regeln: vom islamischen Religionsunterricht an Schulen bis hin zur Imamausbildung – und verschiedenen Anliegen der Moscheegemeinden. Die liberale Demokratie kann nur bestehen, wenn die Rechte derer geschützt werden, die nicht in der Mehrheit sind. Sie kann nicht überleben, ohne den Respekt vor der Würde aller in ihr lebenden Menschen.

Im Kern geht es aber den Feinden der Demokratie genau darum: Anderen Menschen ihre Würde abzusprechen. Wenn von einer „Alternative für Deutschland“ die Rede ist, dann meinen sie nicht die Regierung – sie meinen die Staatsform. Ihnen geht es um die Missachtung des Grundgesetzes, um seine Abschaffung in seinem liberalen offenen Kern. Denn es ist genau die Würde der anderen, die die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes ins Zentrum und direkt an den Anfang des Grundgesetzes stellten mit dem für mich schönsten Satz in deutscher Sprache: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Wenn wir uns für Offenheit und Vielfalt und gegen Hass und Ausgrenzung engagieren, dann ist dies ein Engagement für eine offene Gesellschaft. Es ist ein Einsatz für das Überleben der liberalen Demokratie. Aber es ist noch sehr viel mehr. Es ist auch eine Anstrengung dafür, Deutschland als starke Wirtschafts- und Kulturnation zu erhalten, unseren Wohlstand zu sichern.

Deutschland hat von Vielfalt immer profitiert, wirtschaftlich, kulturell und sozial. Seit Urzeiten kommen Menschen aus anderen Teilen der Welt zu uns, ziehen weiter oder werden sesshaft. Der dadurch erfolgte Austausch der Waren und Ideen hat uns zu einer Kulturnation und Wirtschaftsmacht werden lassen. Vielfalt ist Teil unserer nationalen DNA und vermutlich bei den meisten auch Teil ihrer biologischen DNA.

Wir müssen uns klarer positionieren. Wir müssen deutlicher und endlich kämpferischer werden. Wir sollten offensiv verdeutlichen, dass wir gerne in einem Land leben, in dem unterschiedliche Menschen gut und erfolgreich zusammenleben. Menschen verschiedener Herkunft, verschiedener weltanschaulicher und politischer Überzeugung, verschiedener Religionen oder sexueller Orientierungen, verschiedenen Geschlechts. Menschen, die eben einfach verschieden sind, aber doch gleichberechtigt und mit gleicher Würde ausgestattet.

Vielfalt ist gelegentlich anstrengend. Sie fordert uns heraus, stellt unsere Überzeugungen auf den Prüfstand. Vielfalt ist nicht bequem. Aber Vielfalt ist für dieses Land so wichtig wie das Salz in der Suppe.

Und um es anschaulich auf den Punkt zu bringen: Das Gegenteil von Vielfalt ist Einfalt. Und wer will schon einfältig sein?