Berlin, 18.11.2021: Aus der Rede von Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani zur Festveranstaltung zu den Stiftungspreisen 2021.
Aus der Rede von Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani zur Festveranstaltung:
Akzeptanz ist Voraussetzung für Integration

Berlin, 18.11.2021: Mit drei Stiftungspreisen hat die Helga und Edzard Reuter-Stiftung 2021 Personen und Institutionen geehrt, die sich im Sinne der Stiftung für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher ethnischer, religiöser oder kultureller Herkunft engagieren. Die mit insgesamt 30.000 Euro dotierten Auszeichnungen wurden der ZDF-Journalistin Dunja Hayali, dem Lehrer Dieter Bachmann und der Georg-Büchner-Schule in Stadtallendorf, repräsentiert durch deren Leiterin Amanda Chisnell, im Rahmen einer Festveranstaltung in Berlin übergeben.
Anlässlich der Veranstaltung verwies Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani in seiner Festrede auf die Veränderungen hin, die sich durch eine gelungene Integration für eine Gesellschaft ergeben können. Prof. El-Mafaalani lehrt an der Universität Osnabrück am Institut für Erziehungswissenschaft. Zu seinen Fachgebieten gehören die Migrationsforschung und interkulturelle Studien.
Eine der Thesen des Wissenschaftlers besagt, dass in einer offenen und liberalen Gesellschaft Radikale radikaler werden können, und dass dadurch das Konfliktpotential insgesamt steigen kann. El-Mafaalani nennt es das „Integrationsparadox“.
In seiner Rede veranschaulichte der Wissenschaftler seine These anhand von Beispielen aus der deutschen Einwanderungshistorie seit den fünfziger Jahren. Eine gelungene Integration habe zwangsläufig zur Folge, dass die zugewanderten Menschen auch ihre Interessen in der Gesellschaft vertreten. Das Streben nach Anerkennung reduziere sich dabei nicht nur auf die Akzeptanz als Teil der Bevölkerung, sondern auch hinsichtlich wirtschaftlicher und anderer Parameter. Teilhabe bedeute, dass sich die neuen Mitglieder einer Gesellschaft nicht nur an deren Regeln zu halten haben, sondern dass man ihnen auch die gleichen Rechte wie der einheimischen Bevölkerung bieten müsse. Erst wenn die neuen Mitglieder derart in eine Gesellschaft integriert seien, könne von Angekommensein und gelungener Integration gesprochen werden.
El-Mafaalani machte zudem darauf aufmerksam, dass die berechtigten Ansprüche, die Zugewanderte äußern, auch Abwehrreaktionen auslösen können. Wenn sich jedoch Menschen nicht akzeptiert fühlen, könne das zum Entstehen von Parallelgesellschaften führen.
Eine pluralistische Gesellschaft, die der Integration offen begegnet und sensibel auf Diskriminierung reagiert, habe die Chance, ihre Integrationsfähigkeit voranzubringen.

